T R A U E R

„Die Zeit heilt alle Wunden“

Ein Satz, der in Bezug auf Trauer oft genannt wird. Was Trauer angeht, könnte ich euch viel erzählen. Aufgrund meiner Ausbildung, kenne ich die Theorie in Bezug auf Trauer nur zu gut, wie z.B. die Trauerphasen. Ebenso kenne ich auch ausreichend Menschen, die durch Trauer gehen.

Theorie oder Praxis, persönliche Erfahrung oder Berufliches, eines kann ich euch sagen – Trauer ist das individuellste und schmerzhafteste, was ich mir vorstellen kann. Nichts zeigt sich in so vielen verschiedenen Facetten wie Trauer. Sie betrifft jeden Menschen anders und durchläuft so viele verschiedene Phasen. Ist man der Trauernde, stellt sich hier oft eine Frage: „Hört es jemals auf so weh zu tun?“. Der Verstand spielt uns hierbei wie so oft einen Streich. Ich kann euch aus meinen persönlichen Erfahrungen berichten – ich habe meinen Vater an Krebs verloren, als ich 9 Jahre alt war. Damals war das für mich das Schlimmste, das ich je erlebt hatte. Ich war noch ein Kind, ich wusste gar nicht was passiert war. Ende 2018 ist meine Mutter an Krebs erkrankt. Es kamen so viele ungünstige Umstände zusammen und ich pflegte und begleitete meine Mutter bis zum Ende, dem 23. April 2019. Nun sitze ich da und trauere, immer und immer wieder. Ich fühle Schmerzen, wie ich sie noch nie in meinem Leben gefühlt habe. Meine Mutter sterben zu sehen, ist tatsächlich das Schlimmste, das ich je erlebt habe. So vieles hat sich seither verändert. So vieles ist anders geworden. Momente, an denen ich einfach unbeschwert glücklich sein kann, ohne diesen Schmerz im Hintergrund, sind für mich selten und unbezahlbar geworden. Menschen, die mir dennoch diese Momente ermöglichen, bedeuten mir alles. Meine Prioritäten haben sich komplett geändert. Bald ist es ein halbes Jahr her und es ist noch lange nicht vorbei. Ich trauere tagtäglich und ich kann nur eines sagen – es tut verdammt weh, aber ja, die Zeit macht es besser.

Damit das hier nicht nur ein Gedankenwirrwarr wird, habe ich meine wichtigsten Trauertipps für euch zusammengestellt:

  • R E D E – eines der wichtigsten Komponenten im Trauerprozess ist das Gespräch. Ob du dies im professionellen Rahmen in einer Therapie machst oder mit deinen Liebsten, bleibt ganz dir überlassen.
  • R I T U A L E – bilde deine Trauerrituale. Ein Punkt, der mir von meinem Arzt empfohlen wurde und mir sehr gut geholfen hat. Mein Ritual besteht meistens aus dem bewussten Ansehen von Fotos, die ich von der Zeit mit ihr noch habe, während ich meinen Emotionen freien Lauf lasse. Oft nehme ich mir auch ihre persönlichen Gegenstände zur Hand, die sie mir hinterlassen hat und weine, schreie, rede und lache dabei. Aber ich höre auch bewusst wieder damit auf. Mein Arzt hat mir empfohlen, mir einen Timer zu stellen. Das war allerdings nicht ganz etwas für mich, ich spüre meistens, wann ich genug habe und dann höre ich auf. Um mich wieder zu lösen, räume ich alles weg, schließe das Fotoalbum und versuche wieder zur Ruhe zu kommen. Ich atme durch und suche mir eine Tätigkeit, die ich echt gern mache und die mich ablenkt.
  • K O N T I N U I T Ä T – mache das was dir hilft kontinuierlich. Es wird dir wenig helfen, dich nur dann mit deinem Schmerz zu befassen, wenn du schon nicht mehr anders kannst. Sorge dafür, dass du dir regelmäßig Zeit nehmen kannst, um zu trauern.
  • A U S T A U S C H – aufpassen, hier meine ich kein Vergleichen, kein „Ach, es gibt Menschen, die haben viel Schlimmeres durchgemacht!“. Damit vermittelst du dir nur das Gefühl, dass dein Schmerz oder deine Gefühle nicht berechtigt sind. Mit Austausch meine ich offenes Reden mit anderen. Mit Menschen, die gleiches oder ähnliches durchgemacht haben oder mit Menschen, die dir nahe stehen. Menschen die älter sind. Die weisen Worte von jemandem mit viel Lebenserfahrung, sind oft goldwert. Das hilft dir, deine Strategien zu ergänzen, dir bewusst zu machen, dass deine Gefühle eine Berechtigung haben und es wird dir helfen, dich nicht deswegen schlecht zu fühlen.

Wenn dich die Trauer und der Schmerz überkommt, denk immer daran, bevor der Regenbogen erscheint, muss es vorher regnen!

in Liebe – M I N A

2 Kommentare zu „T R A U E R

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